Eine Lehne! Endlich!

Ein großer Wunsch für die nächste oder irgendeine Saison waren Möbel mit Rückenlehne. Außer, wenn man auf dem Boden sitzt, kann man sich auf Märkten nämlich nie so recht anlehnen – das Zelt gibt zu stark nach, die Bänke und Hocker sind auch lehnenlos.

Also frug der Arnulf den Tobias: „Machst Du auch feine Lagermöbel?“ Und der Tobias sprach: „Ja klar.“

Und das ist das Resultat.

Lagerbank und -tisch

Lagerbank und -tisch

Die Möbel sind aus massiver Esche gefertigt und sehr fein gearbeitet. Die Lehne an der Bank (davon haben wir zwei) ist natürlich herausnehmbar, damit eine Zweimannbank daraus wird. Danke an Tobias für die sehr schnelle und unkomplizierte Herstellung und Auslieferung 🙂

Kurze Hosen braucht der Mann

IMG_4030Es gibt Dinge, die man einfach nicht genug haben kann. Für jemanden, der im Kampf auch mal des Öfteren rabiaten Bodenkontakt hat, sind das: Hosen.
Besonders Schleswig hat Arnulf aufgezeigt, dass der Hosenbestand einfach noch nicht ausreicht, denn dort gab es Bodenkontakt UND Regen.

Und da Frau sich nicht nachsagen lassen möchte, dass sie Schuld ist, wenn der Herr des Hauses mit ewig nassen und matschigen Hosen herumläuft, gab es heute eine neue Buchse für Arnulf.

Aus reinem, mittleren Wollköper und endend direkt unter dem Knie. (Und man beachte auch die neue Tasche!)

Hier erkennt man die Farben besser

Hier erkennt man die Farben besser

Eine Birka-Gürteltasche mit Fellbesatz

Es sind oft die kleinen Dinge im Reenactorleben, die einen nerven. Die Kleeblattfibel, die man so hübsch findet: Frauengrab, also verboten. Die Möbel aus Baumarktholz – gehen alle Naslang kaputt. Die praktische Birka-Gürteltasche: Einen Tick zu groß. Das haben wir in Stockholm bei der Besichtigung des Originals festgestellt. Mist. Also nochmal neu.

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Schlafen auf Schafen

Wenn es unter den Wikingern eine Prinzessin auf der Erbse gegeben hätte, würde sie vermutlich in unserem Bett schlafen. Denn auch im Lager gönnen wir uns mit unserem Bett ein gewisses Maß an Luxus und Komfort.
Und: Wir bereuen diese Anschaffung nicht. Während einige Lagerkollegen auf einem nassen Markt in ihren Betten „abgesoffen“ sind, hatten wir glücklicherweise immer eine trockene nächtliche Zuflucht, auf dem Steckbett mit den warmen Fellen.

Unser Bett

Was allerdings immer nur ein Notbehelf war, waren die Leinentücher und Wolldecken (mit Poly-Tierchen-Anteil). Nicht schön, nicht „A“ und einfach nicht das, was wir wollten. Aber es fand sich nicht so recht die Alternative, die wir uns wünschten.
Per Zufall verlinkte jemand in einem Reenactor-Thread (hier ein Dank an Ravna!) die Lösung für unser Problem:

Eine handgewebte Riesen-Wolldecke!
Mit den Maßen von ca. 2,20m x 2,10m und aus 100% reiner Schafwolle ziemlich genau das, wonach wir immer mal wieder gesucht hatten.

Heute kam die Decke an und obwohl uns die Maße bekannt waren, haben uns die Ausmaße und das Gewicht überrascht. Mit etwas mehr als 5kg ist das gute Stück definitiv nichts für’s Handgepäck, aber genau das Richtige für’s Bett.
Unschlagbar ist in unseren Augen auch der Preis für eine handgewebte Decke.

Lagerfreundliches, naturbelassenen Graubraun

Im Größenvergleich mit einem handelsüblichen, unauthentischen Latte Macchiato

Wer also auf der Suche nach einer reinen, gewebten Wolldecke ist, der sollte mal bei Vehi Mercatus vorbeischauen. Dort gibt es die Decken auch in „nicht ganz so groß“ und in anderen Farbvarianten.

Und noch ein Grund mehr, sich auf die kommende Saison zu freuen. Neue Errungenschaften zu testen macht wahnsinnig viel Spaß!

„Gehänge“ im Wachstum und anderer Schmuck

Meine durchbrochenen Schildkröt-Fibeln trage ich seit dem ersten Tag meiner Wikinger-Darstellung, aber das „Gehänge“ wächst und wechselt ständig. Zu Beginn war es einreihig und bestand nur aus Bernstein und Holzperlen, mittlerweile sind es drei Reihen und es sind Glas- und Silberperlen dazugekommen, wie auch ein mit Silber eingefasster Bergkristall.

Meine Fibeln im Detail

Aktuelle Perlen-Komposition

Neben den Ketten wächst auch das übrige Gehänge: Ein Ohrlöffel und ein Schlüssel sind dazugekommen. Ein kleines Gebrauchsmesser ist ebenfalls schon vorhanden, für das bastelt Arnulf derzeit noch eine Scheide. Und die Nadeldose wartet nur noch auf eine passende Kette, um dann auch endlich „abhängen“ zu dürfen.
Eine Kleeblattfibel nutze ich, um des Ausschnitt meines Obergewands zusammen zu halten.

Kleeblattfibel, Ohrlöffel und Schlüssel im Detail

So sieht alles zusammen aus

Damit ich nicht nur „obenrum“ verziert bin, haben wir mir Armreifen herstellen lassen, die wir im Katalogteil des Buches „Wikinger, Waräger, Normannen“ gesehen hatten. Datiert auf das 9. Jahrhundert und gefunden in Lillebölle/DK.
Ich trage sie gerne, um die Ärmel meines Kleides hochzuschieben, um bei der Lager- und Küchenarbeit die Arme frei zu haben. Und es wäre schade, sie unter der Kleidung zu tragen.

Armreifen im Detail

In der kommenden Saison werde ich mal nach passendem Kopfschmuck Ausschau halten. Ich trage sehr gerne Haarstäbe und werde mal sehen, ob sich da etwas Passendes finden lässt. Und einen schönen Kamm brauche ich auch noch.

 

 

Frenjas Leidenschaft damals und heute: Handtaschen

Einen Regenschirm, Lippenstifte und Deoroller müssen auf einem Markt zwar nicht an der Frau geführt werden, aber auch dort gibt es immer Gegenstände, die man nicht im Lager lassen kann oder möchte, wenn man eine Runde dreht. Doch wie soll man das alles transportieren, ohne, dass die Kleidung beult und ohne auf einen meist eher „unmodischen“ Beutel zurückgreifen zu müssen?
Ganz klar: Eine „Handtasche“ musste her!
Schön ist, dass man dafür gar nicht so arg interpretieren muss, denn man fand in Haithabu Bügel aus Holz, bei denen man davon ausgeht, dass sie Teil einer Tasche waren.

Skizzen der Funde aus Haithabu (Bild: Westphalen, Holzfunde von Haithabu)

Und somit gab es die perfekte Lösung für das logistische Problem der modebewussten Wikingerin: Eine leicht interpretierte Rekonstruktion! Und diese durfte nun bei uns Einzug halten und wartet auch ihren ersten Einsatz im Januar.

Die Handtasche in Vollansicht

Die Bügel im Detail

Dadurch, dass der Lederträger durch die Löcher beider Bügel geht, zieht sich die Tasche selbst zu. (Keine Chance für Langfinger!)
Man geht zwar davon aus, dass der eigentliche „Beutel“ der Tasche eher aus Stoff war, aber ich bevorzuge das robuste, schöne Leder. Ich könnte mir die Tasche auch mit Messingbeschlägen oder Punzierungen gut vorstellen.
Ich bin gespannt, wie sie sich im frühmittelalterlichen Alltag schlägt!

Wer sich für diese tolle Tasche interessiert, sollte man beim Vikingr-Kontor vorbeischauen.

Ein Happy End für „Wo ist die verdammte Nadel?!“

Neben der Geschichte vom „undankbaren Männchen und der Wikingerfrau“, die ich immer gerne erzähle, um anderen Leuten das Naalbinden beizubringen, hört man von mir im Lager vermutlich am häufigsten die Sätze: „Möchtest du etwas trinken?“ und „Wo ist schon wieder diese verdammte Nadel?“

Meine liebste Naalbinding-Nadel ist nämlich relativ klein und offensichtlich das Erste, was ich instinktiv fallen lasse, wenn wir Besuch bekommen.
Da sich aber neben meiner liebsten Naalbinding-Nadel nun auch andere Nadeln in reger Benutzung befinden und mein „Brust-Gehänge“ (wie das jetzt wohl für nicht-Wiki-Reenactor klingen muss…) zwar recht perlen- aber noch nicht werkzeuglastig genug ist, hat Arnulf mir von seinem letzten Lager-Alleingang etwas mitgebracht: Eine beschnitzte Nadeldose!

Die Nadeldose ist aus Knochen und hergestellt von David Tuma, dem ich übrigens auch meine liebste Nadel und mein Salzfass zu verdanken habe.
Als Dreingabe zur Nadeldose gab es noch eine Nähnadel aus Knochen, die sicher auch bald zum Einsatz kommt.
In der nächsten Saison wird diese schöne Nadeldose an meinen Fibeln hängen und hoffentlich sieht man mich dann weniger oft fluchend über den Rasen kriechen…

Met-Herstellung und andere Winterprojekte

Ob wir nun wollen oder nicht: Der Sommer, und somit auch die Saison, neigt sich so langsam dem Ende zu.
Und wie jeder anständige Reenactor haben auch wir den Satz „das machen wir im Winter“ in diesem Jahr öfter gesagt, als wir sollten. Denn auch wenn man sich viel für die veranstaltungs- und marktfreie Zeit vornimmt, am produktivsten ist man dann meistens doch erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist.
Damit unsere Winterprojekte nicht doch wieder drei-Tage-vor-dem-ersten-Markt-Schnellschüsse werden, treiben wir im Moment ausgewählte Punkte unserer To do-Liste kräftig voran. Das für uns momentan Spannenste ist wohl: Die Met-Herstellung.

Met-Herstellung: Unser erster Versuch in Vorbereitung

Geplant ist als Erstlingswerk ein ganz einfacher Met, ohne Frucht- oder Gewürz-Zusatz. Auch wenn wir (nicht zuletzt durch den Genuss von echt tollem Wacholder-Met im Aifur in Stockholm) mehr als genug Ideen haben, mit was man den Met alles versetzen könnten. Aber: Erstmal die Grund-Disziplin erfüllen und einen trinkbaren Met produzieren, der uns nicht weggammelt oder anderweitig ungenießbar wird.

Gestern haben wir uns erstmal einen Gärballon (wir denken, 5 Liter reichen für den ersten Versuch?), mit Stopfen und Gärröhrchen, sowie Weinhefe, Hefenährsalz und Kaliumsulfit bestellt.
Und Kontakt mit dem Imker um die Ecke aufgenommen (es hat seine Vorteile auf dem Land zu wohnen), der uns den Honig gleich eimerweise liefern kann.

Von eben diesem Imker können wir auch Bienenwachs in Blöcken für recht kleines Geld kaufen. Das wird für ein weiteres Winter-Projekt benötigt, denn Arnulf möchte sich gerne an der Lederhärtung durch Wachs versuchen.

(Leider) nicht bis zum Winter warten kann ich mit der Überarbeitung von Arnulfs Klappenrock mit dem Fuchsfell-Besatz. Er ist unter’m Arm etwas zu eng und irgendwas ist mit dem Futter nicht optimal. Ich werde das Ding also wohl oder übel komplett auseinandernehmen und abändern müssen. Und das alles noch vor unserem letzten Markt im Oktober, sonst darf ich einen tiefgekühlten Mann mit nach Hause nehmen.
Ich nähe wirklich gern, aber gegen diesen Klappmantel habe ich eine echte Aversion entwickelt und würde ihn am liebsten anzünden. Hach…

Was sind eure Winterprojekte? Was schiebt ihr gerne vor euch her?

Oseberglampen, modifiziert für Packmaß

Heute habe ich zwei Oseberglampen von Ivar, dem Schmied abgeholt – sehr praktische Lampen mit einer kleinen Modifikation gegenüber dem Original. Während die im Bootsgrab gefundenen Lampenschalen an die Stange genietet waren, ist die Schale hier auf die Stange gesteckt. Das hat den Vorteil, daß man die (ggf. ölige) Schale separat verpacken kann und das Packmaß insgesamt kleiner wird.

Ich habe jetzt ein paar alte Kerzen reingebröckelt und mit einem Stück Leinen probebefeuert. Brennt gut. Bin gespannt, wie die Brenndauer auf Märkten ist.

Oseberglampe

Gummistiefel aus Holz

Der „Sommer“ lässt in diesem Jahr ja leider recht deutlich zu wünschen übrig. Die fehlende Wärme finde ich persönlich einfach nur schade, der mitunter kräftige Regen und der starke Wind sind beim Lagern aber richtig lästig und anstrengend.

Schon auf dem ersten Markt (Anno 1280) habe ich mir deswegen ein paar Holzschuhe gekauft, die ich bisher einfach nicht besessen habe. Aber nasse Füße gehen nunmal überhaupt nicht und die hat man in den wendegenähten Lederschuhen schneller, als einem lieb ist.

Leider sind Holzschuhe nicht sonderlich kleidsam und passen zu keinem Outfit, es sei denn, man ist Frau Antje.

Die Wikinger waren aber durchaus „eitel“, also warum dann die Schuhe nicht ein wenig aufhübschen?

Das Motiv stammt von einem knöchernen Schwertknauf, den man in Sigtuna/ Schweden gefunden hat.