Eine Birka-Gürteltasche mit Fellbesatz

Es sind oft die kleinen Dinge im Reenactorleben, die einen nerven. Die Kleeblattfibel, die man so hübsch findet: Frauengrab, also verboten. Die Möbel aus Baumarktholz – gehen alle Naslang kaputt. Die praktische Birka-Gürteltasche: Einen Tick zu groß. Das haben wir in Stockholm bei der Besichtigung des Originals festgestellt. Mist. Also nochmal neu.

Die typischen „Tarsoly“, also die grob leierförmigen Ledertaschen, die bis ins 20. Jahrhundert in Ungarn Trachtbestandteil waren (siehe auch auf dieser Tarsoly-Seite in ungarisch), kennen wir neben osteuropäischen Funden aus Birka und aus einem Taschenfund in Jämtland. In Birka Bj644 wurde ein Blechbeschlag gefunden, der die volle Vorderseite einer Tache bildete; in Grab 154 fand man eine Riemenzunge und Durchzugbeschläge (davon kenne ich allerdings keine vernünftige Repro im Handel) und in Grab 904 und 93 dann das bekannte Beschlagblech in Form eines vierfachen Herzens. sowie weitere Beschläge.
Mir sind die aufgerufenen Preise für ein volles Beschlagset – etwa 100 Euro beim Podol – allerdings zu hoch gewesen und ich wollte auch etwas „Eigenes“. Also habe ich das Minimum, nämlich die Riemenzunge und den Beschlag für den Riemendurchzug, bei Maik bestellt (www.podol.de) und Leder herausgesucht. Als besonderes Goodie hatte ich ein sehr schönes Stück Fell aufgetrieben, das die Taschenklappe verzieren sollte.
Und übrigens, liebe Leser mit A-Fimmel – Vorsicht vor industriell gefertigten Beschlägen aus dem Versand! Die sind qualitativ zwar ordentlich, aber fast doppelt so groß, wie sie für eine Birka-Repro sein dürften. Und Bronze ist es auch nicht, sondern bronzefarben lackiertes Buntmetall – das wird aber auch in der Regel korrekt ausgewiesen.

Aufgrund der Größe des Durchzugbeschlags und der vermuteten Proportionen der Tasche bietet sich eine bestimmte Größe an, die ich dann entsprechend ausgeschnitten habe. Die Tasche habe ich mit dem bewährten Wachsfaden relativ schnell zurechtgenäht.
Die Öse für die Riemenzunge habe ich aus Messingblech gebogen und an die Tasche genietet. Das muß natürlich vor dem Vernähen der Vorderseite mit der Klappe passieren, sonst kommt man an die Nietpunkte nicht mehr heran.
Danach habe ich das Fell zugeschnitten und zunächst zum Fixieren auf die Taschenklappe geklebt – die tatsächliche Befestigung kam danach.

Und zwar mittels jeder Menge Messingblech. Das habe ich zu kleinen Zungen zugeschnitten, die Ecken rundgefeilt und die Zungen an einer Zange in Form gebogen. Der Arbeitsablauf sieht dann so aus wie in den Bildern unten.

Dann habe ich die Blechzungen durchbohrt und auf die vorgestochene Tasche gesetzt. Nagel rein, abknipsen und vernieten. Das Ganze dann ca. 50 mal wiederholen und die Randeinfassung ist fertig.

Als nächster Arbeitsgang stand das Aufbringen des Klappenbeschlags an. Dazu habe ich, wie übrigens auch bei der Randeinfassung, meinen Langhaarschneider aus dem Badezimmer geholt. Was gut für den Bart ist, kann ja nicht schlecht für sonstiges Fell sein. 😉
So sah das dann vor der Montage des mittleren Beschlags aus.

Und dann kam noch die Riemenzunge an den Riemen, der bekam eine hübsche Punzierung und wurde an der Tasche fixiert.
Fertig!

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