James Graham-Campbell – Viking Art

James Graham-Campbell - Viking Art

James Graham-Campbell – Viking Art

Premiere für eine neue Kategorie in unserem kleinen Blog: Literaturtipps. In dieser Kategorie möchten wir Stück für Stück einige Bücher und andere Literatur vorstellen, die wir für die Recherche und andere Zwecke nutzen.

Den Anfang macht das Buch „Viking Art“ von James Graham-Campbell. Dieses relativ neue Taschenbuch (2013 erschienen) befaßt sich ebenso wie sein deutlich älterer Namensvetter von Ole Klindt-Jensen und David McKenzie Wilson mit der Kunst der Wikingerzeit.

Zunächst – quasi als „TL;DR“ – sei gesagt: Viel günstiger kommt man vermutlich nicht an hochwertige Illustrationen der wichtigsten Kunstschätze aus dem 7. bis 11. Jahrhundert. Für schlappe 11 Euro (aktueller Preis bei einer großen Online-Buchhandlung) bekommt man mehr als 200 Seiten mit über 200 meist farbigen Illustrationen.

Inhaltlich bietet „Viking Art“ bewährte Kost. Neben einem kurzen Abriß über die Wikingerzeit (man denke sich bitte die Anführungszeichen dazu, „skandinavische und hibernonordische Späteisenzeit“ schreibt sich ziemlich sperrig) wird die Kunst des Nordens in die üblichen Stile einsortiert – mit einem kleinen Blick in die Vendelzeit (also Stil II, Stil E und früher Broa-Stil) und anderer Besonderheiten.

Ein kurzer Abschnitt befaßt sich mit der besonderen Rolle der gotländischen Bildsteine als seltene Zeugnisse naturalistischer Menschen- und Tierdarstellung, die darüberhinaus zeitlich allen anderen bildlichen Darstellungen auf Runensteinen vorausgehen.

Besonders interessant, wenn auch etwas kurz ist die Übersicht über stets wiederkehrende Themen in der Kunst (die – von den Bildsteinen und einigen Ausreißern wie den zweckfreien Pfosten im Osebergfund abgesehen – hauptsächlich Gebrauchskunst ist): „Große Tiere“ in den Mammen-, Ringerike- und Urnesstilen, Greiftiere im Broa-, Oseberg- und Mammenstil sowie ineinander verschlungene Tiere, die mit ihren Körpern komplexe Streifenmuster bilden. Das bekannteste Beispiel für diese Streifenmuster ist sicher der Jellingbecher, aber auch die Bugverzierung des Osebergschiffs ist mit vielen dieser ineinander verschlungenen Tiere verziert.

Das Buch behandelt – selbstverständlich – die wichtigsten Kunststile der Wikingerzeit in chronologischer Reihenfolge:

  • Oseberg-Stil und Borre-Stil
  • Jellingestil und Mammenstil
  • Ringerike-Stil und Urnes-Stil

Jedem Stilpärchen ist ein etwa 30-seitiges Kapitel gewidmet, in dem der Autor auf allgemeine Kennzeichnen der Stile, aber auch auf besondere Beispiele eingeht. Die sind das „who is who“ wikingerzeitlicher Kunstwerke – so sind sehr schöne Illustrationen der folgenden Stücke zu sehen:

  • Die Broa-Beschläge (ganzseitige Farbillustration)
  • Die Holzfunde und der Teppich aus dem Osebergfund (mehrere Seiten mit Aufnahmen aller Tierkopf-Pfosten)
  • Die Borre-Beschläge, welche dem gleichnamigen Stil seinen Namen gaben
  • Der Mammen-Kummet (Pferdegeschirr) und die Mammen-Axt nebst schematischer Zeichnung
  • Verschiedene Ringerike-Wetterfahnen mit „Großen Tieren“

Natürlich kommen auch diverse Hortfunde, der Hiddensee-Schatz und allerlei Glänzendes aus Gnezdovo nicht zu kurz.

Die Aufmachung des Buches ist sehr schön: Obwohl im kaffeetisch-untauglichen A5 verlegt, ist die Qualität der Illustrationen und des Drucks ausgezeichnet; selbst die fitzeligsten Details bei den Broa-Beschlägen kommen sehr gut zur Geltung. Textlich zeigt das Buch eine intensive Beschäftigung mit der Thematik; der Autor weiß genau, was er sagen will und bettet die Erläuterung zu einzelnen Exponaten in einen Erzählstrang ein, der Kontextinformaitonen liefert und die Einordnung erleichtert.

Fazit: Sehr empfehlenswert als Nachschlagewerk oder Lektüre für den Winter, aber auch für den schnellen Blick auf Veranstaltungen.

Buchinfos

James Graham-Campbell
Viking Art
Thames & Hudson „world of art“
ISBN 978-0-500-20419-1
Preis: ca. 11€ (£ 9,95)

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