Kulinarische Zeitreise: Das „Aifur“ in Stockholm

Stockholm ist wundervoll. Stockholm ist aber auch teuer, besonders, wenn es um’s Essen geht. Dass man dafür aber durchaus auch etwas geboten bekommt, zeigt uns sehr eindrucksvoll das „Aifur„. Als wir am Abend unserer Ankunft durch die Altstadt schlenderten und erste Eindrücke sammelten, stach uns das Restaurant sofort in’s Auge:

Die angeschlagene Speisekarte las sich ebenfalls gut (wenn auch nicht unbedingt Vegetarier-tauglich)… Honigglasiertes Zwerghuhn auf Bulgur mit einer Sauce aus Apfel-Cider, Fischeintopf aus Lachs und Kabeljau mit Safran, Fenchel und Kräutern, Lamm mit Honig und Knoblauch mariniert, Filet vom Reh und Rösti auf Wurzelgemüse mit Pilzrahmsauce, ein ständig im Aifur simmernder Eintopf aus Wild, serviert mit Brot und Käse, dazu diverse Vorspeisen und eine kleine, aber feine, Dessertkarte. Preislich natürlich jetzt nicht unbedingt Fastfood-Niveau, denn die Hauptgerichte liegen bei 200-300 SEK (also etwa 25-35€), aber „wir sind ja im Urlaub“.

Wir setzen uns das „Aifur“ also auf die müssen-wir-unbedingt-ausprobieren-Liste. Eigentlich schon für den folgenden Tag, allerdings konnten wir an dem Abend nicht bedient werden, weil die Küche bereits geschlossen hatte. Sehr schade. Aber auch diese erste Absage konnte uns nicht davon abhalten, es einen Tag später noch mal zu probieren. Und dieses Mal erfolgreich!

Bereits am eindrucksvollen Eingang des Restaurants wird man von einem jungen Mann in authentischer Gewandung (wir sprechen hier von richtig(!) guter Darstellungen, nicht von Carbone-Kutte) empfangen und die Treppe in’s Restaurant geführt, das bereits auf den ersten Blick überzeugt: Das ist keine 08/15-Mittelalterspelunke. Das hier ist mit Liebe durchgezogen! Die Atmosphäre ist warm und rustikal, detailverliebt und urgemütlich. Gedeckte, erdige Farben an den Wänden, massiv gezimmerte Möbel, Felle auf den Sitzbänken, die Tische mit Birka-Sturzbecher-Repliken eingedeckt… wow. Ein dezentes Reinhuschen in dieses Restaurant ist nicht möglich: Unser freundlicher Geleitschutz in die Katakomben fragt uns nach unseren Namen, räuspert sich deutlich und… kündigt uns lautstark an. Die Gäste antworten mit Applaus und Jubel. Und dieses Aufhebens wird um jeden Gast gemacht. Wir klatschen und jubeln selbst oft an diesem Abend, was aber nicht stört, sondern irgendwie ganz witzig ist.

Wir starten mit einem Glas Met, der uns von dem Angestellten wärmstens empfohlen wurde. Ein nicht zu süßer Met mit Wacholder und Zimt. (Es ist allerdings nicht empfohlen, hier nach dem Preis zu schauen). Der Met wird im besagten Birka-Sturzbecher serviert und ist absolut großartig!

Da die Karte zwar von allem was zu bieten hat, aber nicht so groß ist, ist die Entscheidung recht schnell gefallen: Ich wähle das Zwerghuhn und Arnulf den „Dagens trefoting“, den „eisernen Topf“, in dem heute diverses Wild verkocht wurde. Um die Wartezeit zu überbrücken wird Brot mit frischer Kräuterbutter gereicht.

Nach einer angemessenen Wartezeit kommen unsere bestellten Gerichte und duften toll! Da das Licht im „Aifur“ sehr gedämmt ist, bekommt man von der Optik eher wenig mit, dafür um so mehr vom Geschmack. Mein Bulgur unter dem Hähnchen ist wahnsinnig lecker. Und das, obwohl Rosinen enthalten sind, die ich normalerweise überhaupt nicht esse. Cremig und süßlich, genau passend zu dem knusprigen Zwerghuhn, dass mit Birne gefüllt ist und mit einer Cider-Sauce serviert wird. Auch Arnulf ist zufrieden: Der Fleischeintopf ist kräftig, aber trotzdem sehr fein abgeschmeckt und schmeckt überhaupt nicht „streng wild“, sondern einfach deftig und die Pfifferlinge passen perfekt. Hier wird also nicht nur ein Event geboten, es wird auch richtig gut gekocht!

Wir sind definitiv satt nach unseren Portionen, aber… ein Dessert muss trotzdem sein! Die Entscheidung fällt auf einen Nuss-Apfelkuchen mit Honig-Sahne, die separat gereicht wird, weil Arnulf überhaupt keine Sahne isst. Dazu zwei Gabeln. Mittlerweile gehen mir die Formulierungen für meine kulinarische Begeisterung aus, aber: Hammer! Warmer, saftiger, knuspriger Apfel-Nuss-„Kuchen“. Hat ein wenig Ähnlichkeit mit Apple-Crumble… Warm, karamellig, saftig, typisch schwedisch-süß und einfach phantastisch. Das Bier zum Abschluss (das „Aifur“ bietet auch halbwegs trinkbare Biere und nicht nur plörriges Lättöl) ist schon fast zu viel. Wir sind nicht satt, wir sind voll. Und sehr, sehr zufrieden.

Nebenbei kommen wir immer mal wieder mit dem Angestellten des Restaurants in’s Gespräch, der die Leute einweist und ankündigt, denn der hat Taschenbeschläge in originaler Größe nach Fund und wir müssen natürlich gleich wissen, woher. So kommt man vom Einen (Taschenbeschlag) auf’s Andere (Neustadt-Glewe) und es ist durchaus möglich, dass man sich mal auf einer der für die Zukunft geplanten Veranstaltungen begegnet. Dann allerdings bei einem „richtigen“ Bier!

Das Fazit dürfte niemanden überraschen: Das „Aifur“ ist einen Besuch wert! Auch wenn man unter Umständen ein Gespräch mit seinem Bankberater führen muss. Super Location, liebevolle Umsetzung, richtig gutes Essen und sehr nettes Personal. Wir sind begeistert und würden bei einem weiteren Stockholm-Besuch definitiv wiederkommen. Wärmste Empfehlung!

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