Wikingertage in Schleswig 2012 – Frenjas Bericht

Nur per Zufall bin ich online über die „Wikingertage“ in Schleswig gestolpert und fand die Bilder ziemlich ansprechend. Noch dazu ein echter Wikinger-Markt und kein Mittelalter-Salat, in dem man alles findet. Aber… Schleswig? – Ganz schön weit weg.

Zumindest zu weit weg für einen Tagesbesuch, aber für eine Lageranmeldung war es ja schon viel zu spät.
Na, dann nächstes Jahr! Und um herauszufinden, wie der Markt so ist, wie man sich anmeldet und was von einem erwartet wird, hat Arnulf dann den Tobias von der Schildwerkstatt, bei dem wir mal einen Schild gekauft und mit dem wir öfter mal gequatscht hatten, angesprochen. Parallel bewarben wir uns beim Veranstalter – man kann’s ja zumindest mal versuchen. Große Chancen rechneten wir uns als neues Lager ohne klares handwerkliches Angebot aber nicht aus.

Da uns öfter vorgebetet worden war, was für ein verschworenes Grüppchen die „FrüMis“ sind und wie schwierig man dort Fuß fassen kann, waren wir um so überraschter, als Tobias uns anbot, mit ihm und seinen „Tobiaten“ zu lagern.

Schon die Kontakte und Absprachen vor dem Markt haben uns positiv beeindruckt: Eine geordnete, organisierte und nette Truppe! Einige trafen wir auch auf dem Markt in Warendorf und so hatten wir ein richtig gutes Bauchgefühl, als wir uns zu einer absolut unchristlichen Zeit (Achtung, Flachwitz) am vereinbarten Treffpunkt mit vollgeladenen Wagen zur gemeinsamen Fahrt nach Schleswig trafen.

Die Fahrt inklusive lustiger Etappen wie dem Elbtunnel klappte ebenso routiniert wie der Aufbau. Nachdem man sich irgendwann geeinigt hatte, wer wo aufbauen sollte, standen die Zelte sehr schnell. So schnell, dass wir einen tollen, entspannten Nachmittag im angrenzenden Schlei-Strandbad verbringen konnten.
Anders als erwartet hatte ich es als „die Neue“ mit den Mädels der Gruppe überhaupt nicht schwer: Ausnahmslos ALLE sind wahnsinnig nett und sympathisch. Von Stutenbissigkeit absolut keine Spur.
Die abendliche Vorstellungsrunde mit einer Zucchini als „Redekerze“ war sehr kurzweilig („Hallo, ich bin der Tobi, euer Chef und ich bin Choleriker.“) und ein entspannter Abschluss des Aufbau-Tages.

Der Freitag präsentierte sich in ungeschlagenem Sommerwetter: Keine Wolke am Himmel, fast 30°C, ein leichtes Lüftchen. Ein Traum! Fanden auch die Besucher, die für einen Freitag doch schon verdammt zahlreich waren.
Für „unsere Männer“ war es aber schon recht anstrengend: Vormittags erst einmal Gearcheck mit einigen Probe-Lines (also Kampflinien), nachmittags dann 2 Shows (eine Codex Belli, eine Huscarl) in voller Rüstung und unter Waffen: Sie schmorten im eigenen Saft, waren aber extrem tapfer und haben ein super Programm abgeliefert.
Freitag Abend spielte dann Santiano, die offenbar mit ihrer Darbietung Donars Zorn erregten – er schickte gar schröckliche Unwetterwolken, die jedoch ganz knapp (einen Kilometer oder so) um uns herum zogen. Anderweitig beeindruckend war das Konzert des Headliners leider nicht….

Der Samstag  startete mit allem, was sich der Freitag aufgespart hatte: Stundenlanger, heftiger Regen, der die schöne Wiese binnen kürzester Zeit in eine Sumpflandschaft verwandelte. Einige Shows fielen so ins sprichwörtliche Wasser, die Färberei konnte nicht anfeuern und auch die Schmiede blieb zunächst kalt.
Das neue Sonnensegel ist zudem gleich beim Aufbau gerissen und erwies sich noch dazu als undicht. Es wurde also genutzt, um das Regenwasser zu filtern (ist gut zum Färben, weil sehr weich). Wer einen Anti-Tipp für den Sonnensegelkauf braucht, dem können wir weiterhelfen (Hint: Die Firma hat den Gegenpart von Moritz im Namen)!
Aber die Touristen langweilten sich nicht: Die waren nämlich quasi nicht vorhanden, doch die Gruppenstimmung blieb trotz Fjorden in den Zelten und „Koi-Teich“ auf der Wiese recht stabil. Pfefferminztee und Galgenhumor sei Dank!
Als die Regenwand einem Schauergrau wich, krochen wir unter unseren „Regensegeln“ hervor und die Männer improvisierten Kämpfe auf dem modderigen Boden, bis sich alles soweit stabilisiert hatte, dass das normale Programm wieder aufgenommen werden konnte. Der Samstag wurde dann noch ein richtig guter Markttag, die zwei Shows waren gut angenommen und wir hatten zudem einigen netten Besuch im Lager.
Trotzdem: Was waren wir dankbar für die warmen Duschen im Strandbad und das tolle Gulasch der Küchencrew. (Ich muss hier noch mal die tolle Organisation und das Engagement der „Tobiaten“ hervorheben: Noch NIE habe ich so viele Hände gesehen, als es um das freiwillige Spülen ging!)

Der Sonntag startete mit einem Mix aus Regenschauern und „strahlend grauem“ Himmel. Doch das beeindruckte weder die Besucher, noch das Lager: Es wurde gekämpft, geschmiedet, genäht und gefärbt. Kurz vor Marktbeginn fanden sich auch die Wikinormannen der Gütersloher Connection ein, die bereits am Samstag nach Norden gefahren waren, sich aber wegen des Wetters eher innerhalb der reichhaltigen Museumslandschaft Schleswigs aufgehalten hatten.
Über Besuchermangel konnten auch am Sonntag weder wir noch der Veranstalter klagen. Die Besucher kamen zahlreich, stellten Fragen und waren durchweg ziemlich interessiert und angetan, besonders auch von den „Berserker-Kämpfen“.
Obwohl die Männer (neben den Tobiaten kämpften noch einige andere Lager mit) nicht aufeinander trainiert waren, liefen die Kämpfe gut und fair ab. Es gab zwar einige kleinere und etwas größere Blessuren, aber niemand hat lamentiert oder gejammert. Es war einfach super!

Auch außerhalb des Lagers gab es ziemlich viel zu sehen: Viele wirklich gute Handwerker und Händler mit Waren, die auch für Leute die das Hobby aktiv betreiben, interessant waren. Fressbuden und Händler mit „Tand“ wurden vom Veranstalter nicht ins Wikingerdorf gelassen, sondern mussten vor den Toren lagern, was für eine gute und authentischere Atmosphäre sorgte. Gefällt.
Zumal um 20 Uhr kein Besucher mehr aufs Gelände durfte und die volltrunkenen Konzert-Fans somit draußen bleiben mussten. 20Uhr war somit offiziell Feierabend.

Ich muss zugeben, am Anfang war ich skeptisch, wie es wohl sein würde, mit so einer großen Gruppe „wilder Unbekannter“ zu lagern, aber diese Skepsis wurde vollständig ausgeräumt: Was für eine geile Truppe! Was für ein toller Markt!

Als ich am Sonntagabend abreiste (die Tobiaten blieben länger, da sie im Anschluss gleich gemeinsam nach Wacken fuhren), hatte ich echtes „Marktweh“ und wäre am liebsten geblieben.

Das Wochenende war einfach unglaublich toll. Selten hatte ich so viel Spaß auf einem Markt und würde mich sehr freuen, wenn ich die Leute bald wiedersehen könnte.

Empfehlung für die Wikingertage?- Definitiv!

Bilder folgen, sobald wir wieder vernünftiges Internet haben. *seufz*

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