Lager

Unser Lager besteht derzeit aus einem Sachsenzelt und einem Sonnensegel im Format 3*3m. Tisch, Bank, Truhe und Hocker ergänzen das Mobiliar.

Das Zelt sowie das Sonnensegel sind aus Baumwolle. Von orthodoxen „Authentikern“ wird dieses Material kritisch beäugt, war es doch im 10. Jahrhundert in West- und Nordeuropa unbekannt. Leinen, das als die authentischere Variante angesehen wird, war jedoch in Nordeuropa nicht besonders gut anbaubar, weil es recht früh (lt. Wikipedia März bis April) ausgesät werden muß, bei Frost aber empfindlich leidet. Dieser Umstand, zusammen mit der Tatsache, dass die Leinpflanze trockenes Klima bevorzugt, deutet darauf meiner Meinung nach darauf hin, daß Leinen in Skandinavien des 10. Jahrhunderts nicht in großen Mengen als heimisch produzierter Stoff verfügbar war, sondern (über die üblichen Handelsrouten) importiert werden mußte. Vermutlich war Leinen, insbesondere schweres Leinen also recht teuer – für ein Zelt unerschwinglich. Wolle hingegen war reichlich verfügbar. Also werden Zelte womöglich aus Wolle hergestellt worden sein – wie übrigens auch die Segel der Symbole des Wikingertums – der Langschiffe.
Wenn wir mal sehr reich sind (im richtigen Leben, nicht in der Darstellung), nähen wir uns auch ein Wollzelt, bis dahin muß Baumwolle reichen. Sie ist außerdem auch unempfindlicher als Leinen, das (so habe ich mir von Besitzern solcher Zelte sagen lassen) gern mal schimmelt, wenn es feucht wird.

Das Sachsenzelt bietet im Übrigen einen guten Kompromiss aus Packmaß und Platzangebot, durch die hochklappbare Seitenwand (im Bild wegen starken Windes geschlossen) kann es auch tagsüber als Aufenthaltsort genutzt werden. Um Gäste zu empfangen und zum Kochen bietet die Seitenwand aufgeklappt aber nicht genug Platz, daher mußte das Sonnensegel her.
Belegbar ist die Form des Sachsenzelts spätestens durch Bildquellen aus dem 9. Jahrhundert (Utrechter Psalter) und im Gegensatz zum weitverbreiteten Bootsdeckzelt (das mit der Lattenkonstruktion als Rahmen) ist die Nutzung als Unterkunft auf Reisen hier auch belegt.

Das Mobiliar ist selbstgebaut mit Optimierung auf Packmaß. Alle Möbel sind ausschließlich mit Keil- und Holzdübelverbindungen gefertigt und zerlegbar. Die Hölzer sind Kiefer und Fichte, die auch vor 1000 Jahren einfach verfügbar waren.

Kochstelle, Topf und Grill sind einfache Modelle aus dem Mittelalterversand, die in Form und Funktion so generisch sind, daß sie praktisch für jede Zeit belegbar sind.